V + GmbH & Co. Fonds: Vermittler und Berater verkauften die Illusion von einer besseren Alternative zur Lebensversicherung

Nach vielen Gesprächen mit Anlegern dieser Fondsgesellschaft, einem venture – capital Blindpool, müssen leider erschreckende Wissensdefizite (angeblich sichere Sache mit hohen Zinsen) festgestellt werden.  Zudem fällt auf, dass die Versprechungen der Anlageberater und Anlagevermittler objektiv unwahr sind. Möglicherweise sind diese auf zentrale ergebnisorientierte Verkaufsschulungen zurück zu führen. Es erscheint daher zweifelhaft, ob dies eine Basis dafür sein kann, von den Anlegern weiterhin einen zweistelligen Millionenbetrag über Ratenzahlerverträge einzusammeln.  

Hier eine Aufzählung der häufigsten Irrtümer:


1.     Ich komme jederzeit raus aus dem Vertrag


Falsch, die Laufzeit der Fondsgesellschaften muss mindestens eingehalten werden (z.b.V+1 bis 31.12.2032)


2.     Ich komme jederzeit an mein Geld


Falsch, die Kontoauszüge der Fondsgesellschaft spiegeln lediglich die erfolgten Einzahlungen und stellen keine abrufbaren und garantiert auszahlbaren Girokontoguthaben dar!
Die Anleger haben keinen Anspruch auf Rückerstattung ihrer Einzahlungen.


3.    Ich bekomme später garantiert mindestens mein eingezahltes Geld zurück

Falsch, übt z.B. ein Gesellschafter nach vorzeitiger Volleinzahlung seines Ratenzahlervertrages sein Sonderkündigungsrecht aus,  berechnet sich sein Auseinandersetzungsguthaben nach dem Wert seines Anteils unter Berücksichtigung der finanziellen Verhältnisse der Fondsgesellschaft.

Am Ende der Laufzeit des Fonds werden die Beteiligungen der Fondsgesellschaften veräußert und werden die entsprechenden Beträge an die Anleger ausgezahlt.  Das heißt, wenn nach Abzug der der Einmalkosten (Provision und Vergütung, z.B. bei V+1 von 22,94 %) und den laufenden Kosten das Restkapital so gewinnbringend angelegt wurde, dass auch diese erwirtschaftet wurden, könnte es zur Rückzahlung der Anlegergelder kommen.  Es kann aber auch sein, dass die Anleger einen Totalverlsut verkraften müssten.

In den im Bundesanzeiger(.de) veröffentlichten Bilanzen, lassen sich die wahren Werte der Firmenanteile nicht ablesen, da sie nur mit den Anschaffungskosten bilanziert wurden.

Sich dann mehr 10 Jahre später nach der Fondsauflösung beim Anlageberater zu beschweren über unerfüllte Versprechungen wäre zu spät, da dann jegliche Schadensersatzansprüche wegen Falschberatung verjährt sind. Wir empfehlen daher sofortige Anspruchsprüfung und eine Verjährungsverzichtserklärung einzufordern.


4.    Mein Geld ist hier sicherer als bei meiner ehemaligen Lebensversicherung

Falsch, der Fonds stellt venture capital zur Verfügung. Unter einer venture-capital-Investition versteht man die langfristige Bereitstellung von Eigenkapital durch einen Investor an ein Unternehmen, das in den meisten Fällen gerade gegründet wird oder gerade gegründet worden ist. Als Gegenleistung erhält der Investor eine Beteiligung an dem Unternehmen, in das er investiert hat. Die Ertragsfähigkeit der Kapitaleinlage des Investors hängt dabei ausschließlich von dem wirtschaftlichen Erfolg oder Misserfolg des Unternehmens ab. Es besteht naturgemäß Totalverlustrisiko. Eine Garantie für den Rückerhalt der Anlegergelder ist daher völlig ausgeschlossen und durfte daher nicht versprochen werden.

Im Gegensatz dazu sind die Prämien bei Lebensversicherungen sowie deren Rückkaufswerte nach wie vor durch die Protektor Lebensversicherungs AG abgesichert.


5.      Nachrechnen nicht notwendig, es ist doch alles beim Besten, Geld hat endlich einen Sinn bekommen, es läuft!

Bsp.: V+1 - Fonds

Richtig, wer Geld verbrennen wollte ist hier genau richtig!

Der Lagebericht der Fondsgesellschaft  für das Geschäftsjahr 2013 nennt gezeichnete Anteile von € 56.386.580,00. Hiervon fehlen noch € 24.832,146,72 und sollen von den Ratenzahlern noch eingezahlt werden.  Nach Adam Ries wurden also € 31.554.433,28 von den Anlegern „investiert“. Die Fondsgesellschaft nennt aber nur Portfoliobeteiligungen zum Kaufpreis von €  13.263.821,59.

Es stellt sich daher die Frage, wo € 17.999.999,70 geblieben sind und ob und wie diese mindestens erwirtschaftet werden sollen.

Rennen dem Fonds die Anleger weg?

Der gleiche Lagebericht nennt für das Jahr 2012 noch gezeichnete Anteile von € 60.455.380. In früheren Lagebereichten werden für das Jahr 2011 noch Anteile von € 62.501.280,00 und für 2010 noch € 65.274.950 aufgerufen.

Das heißt von 2010 bis 2013 ist die Gesamtzeichnungssumme um €8.888.370 abgeschmolzen.  Unterstellt man eine durchschnittliche Zeichnungssumme von € 15.000, so wären dies fast 600 Anleger, von derzeit noch ca. 3.200.

Was sind die Investitionen per 31.12.2013 zum Kaufpreis von € 13.263.821,58  (nicht)wert ?

  • Der Fonds ist mit einem Kaufpreis von € 6.741.355,18  an der   GA Global Asset Fund GmbH & Co.KG beteiligt. Dabei handelt es sich ebenfalls um einen Publikumsfonds mit gezeichneten Einlagen von € 44.747.487,11 wobei noch € 29.217.795,15 per 31.12.2011 offen sind. Diese Gesellschaft wiederum ist am Stammkapital der Sovicell GmbH, Leipzig, in Höhe von EUR 492.945,00 mit 32,01 % beteiligt. Das Eigenkapital der Sovicell GmbH, Leipzig, betrug zum 31. Dezember 2010 TEUR -217, der Jahresfehlbetrag belief sich auf TEUR 174.
  • Als zweitteuerste Investition nennt der Lagebericht des V+1 - Fonds eine Investition in Höhe von € 2.509.479,38 in die MIG GmbH & Co. Fonds 1-7 KG. Eine solche KG gibt es aber nicht. Es gibt lediglich 7 Publikumsfonds von MIG GmbH & Co. Fonds 1 KG bis fortlaufend MIG GmbH & Co. Fonds 7 KG.
  • Die drittteuerste Investition erfolgte in die GC Global Chance Fund GmbH & Co.KG zum Preis von € 1.187.761,43. Deren Jahresergebnis von 2012  beträgt gemäß Gewinn- und Verlustrechnung € -6.541.892,17.
  • Bilanzverlust INDIWAN GmbH für 2011 in Höhe von € 134.386,94
  • Bilanzverlust Axiogenesis AG für 2013 in Höhe von € 16.375.197,06
  • Bilanzverlust GOVECS GmbH für 2013 in Höhe von € 1.553.555,05
  • Trendgroup GmbH - noch keine Bilanz veröffentlicht
  • AmVac AG - keine zuverlässigen Publikationen für Investoren verfügbar auf http://amvac.eu/de/publikationen/


Fazit 

Werthaltiges sucht man bei diesem V+1 Fonds angesichts eingezahlter Anlegergelder von über 30 Millionen Euro vergebens. Sollten ab dem Geschäftsjahr 2014 erstmals die Jahresabschlüsse testiert werden, so müssten die eingekauften Beteiligungen zum wahren Wert  bilanziert werden und dürften die Verluste der Anleger dadurch offensichtlich werden.  Gleiches gilt auch für die anderen V+ Fonds.

Folgen

Wem unter Vorspiegelung falscher Tatsachen dieses Investment verkauft wurde, hat erhebliche Erfolgsaussichten,  seine Schadenersatzansprüche durchzusetzen. Zudem muss er seine Schulden an den Fonds nicht mehr weiter bezahlen. In vergleichbaren Fällen wurden durch unsere Kanzlei  schon eine ganze Reihe von wegweisenden Urteilen erstritten.

Jens Reime - Anwalt für Bank- & Kapitalmarktrecht

Rechtsanwalt Jens Reime
VCF Card downloaden

Artikel als PDF downloaden

Zurück